Bauzeitenplan erstellen: Inhalte, Darstellung und Beispiel in 10 Schritten

Bauzeitenplan eines Einfamilienhauses in Merlin Project

Ein Bauzeitenplan ist ein Terminplan, der Beginn, Dauer und Ende aller Gewerke eines Bauvorhabens auf einer Zeitachse zeigt. Bauleitung und Architekten leiten ihn aus dem Leistungsverzeichnis ab: Soll-Stunden geteilt durch Arbeitszeit und Kolonnenstärke ergeben die Dauer, im Beispiel 96 Stunden, 3 Arbeitskräfte, 4 Tage. Nach § 5 VOB/B binden seine Einzelfristen nur, wenn der Bauvertrag das ausdrücklich vereinbart.

Was ist ein Bauzeitenplan?

Ein Bauzeitenplan, auch Baukalender genannt, legt fest, wann welches Gewerk auf der Baustelle arbeitet. Er sorgt dafür, dass die Arbeiten der Gewerke ohne lange Pausen ineinandergreifen. Abweichungen kosten Geld, denn jedes verschobene Gewerk schiebt seine Nachfolger mit.

Im Baustellenalltag verwenden viele die Begriffe Bauzeitenplan, Bauablaufplan und Terminplan synonym. Fachlich setzen sie unterschiedliche Schwerpunkte:

Begriff Schwerpunkt Leitfrage
Terminplan Oberbegriff für jeden Plan mit Terminen, vom Rahmenterminplan bis zum Detailterminplan Wann ist was fertig?
Bauzeitenplan Zeitraum je Gewerk oder Bauabschnitt, meist als Balken nach Kalenderwochen Wann arbeitet welches Gewerk?
Bauablaufplan Reihenfolge und Abhängigkeiten der Arbeitsschritte Was muss fertig sein, bevor das nächste Gewerk beginnt?

Welche Darstellung eignet sich für den Bauzeitenplan?

Die passende Darstellung hängt von der Komplexität des Bauvorhabens ab. Drei Formen sind üblich:

Balkendiagramm

Das Balkendiagramm zeigt Beginn, Ende und Dauer jedes Gewerks kalendarisch, etwa nach Kalenderwochen. Lange war es der klassische Bauzeitenplan. Es gibt einen groben Überblick über den zeitlichen Verlauf und reicht für einfache Bauvorhaben.

Gantt-Diagramm

Das Gantt-Diagramm stellt die Bauphasen ebenfalls auf einer Zeitachse dar und zeigt zusätzlich die Abhängigkeiten zwischen Arbeitsschritten und Meilensteinen. Koppeln Sie es mit der Ressourcenplanung, sehen Sie, wo Personal, Material oder Maschinen überlastet sind. Damit planen Bauleitung und Architekten Vorhaben mit vielen Gewerken.

Netzplan

Den Netzplan entwickeln Sie aus dem Projektstrukturplan. Er stellt die Abhängigkeiten zwischen Vorgängen logisch dar und macht den kritischen Pfad sichtbar, also die Kette von Vorgängen, deren Verzug das Bauende verschiebt. Der Netzplan eignet sich für besonders komplexe Bauvorhaben.

Welche Informationen gehören in einen Bauzeitenplan?

Ein belastbarer Bauzeitenplan enthält mindestens:

  • Arbeitsabschnitte: die Leistungstitel oder Positionen des Leistungsverzeichnisses (LV), aufgeteilt nach Gewerk, Bauabschnitt oder Ort.
  • Soll-Stunden je Arbeitsabschnitt aus der Angebotskalkulation.
  • Tagewerke: Soll-Stunden geteilt durch die tägliche Arbeitszeit.
  • Kolonnenstärke: die Zahl der Arbeitskräfte, die technisch nötig und verfügbar sind.
  • Dauer je Arbeitsabschnitt in Arbeitstagen.
  • Abhängigkeiten zwischen den Abschnitten und mögliche Parallelarbeit.
  • Puffer für Witterung, Lieferzeiten und Abnahmen.
  • Meilensteine wie Rohbauabnahme, Richtfest oder Übergabe.

Wie erstellt man einen Bauzeitenplan? Schritt für Schritt

Einen Bauzeitenplan erstellen Sie, indem Sie die Positionen des Leistungsverzeichnisses als Vorgänge anlegen, aus den Soll-Stunden und der Kolonnenstärke die Dauer berechnen und die Vorgänge verknüpfen. Das folgende Beispiel zeigt die zehn Schritte in Merlin Project an den Erdarbeiten eines Bauvorhabens: 96 Soll-Stunden aus der Angebotskalkulation, ein 8-Stunden-Tag, drei Bauarbeiter und ein Stundensatz von 70 Euro.

Rechenweg für die Erdarbeiten

Von den Soll-Stunden zu Dauer und Kosten

Dauer

96 hSoll-Stunden ÷ 8 hje Arbeitstag = 12 TageArbeit ÷ 3Arbeitskräfte = 4 TageDauer

Kosten

96 hSoll-Stunden × 70 €Standardsatz je Stunde = 6.720 €Geplante Kosten

Merlin Project rechnet beide Werte selbst, sobald Arbeit, Ressourcen und Standardsatz eingetragen sind.

1. Projekt anlegen und Baustart eintragen

Öffnen Sie in Merlin Project ein neues leeres Dokument und ersetzen Sie den Platzhalter »Neues Projekt« durch den Namen Ihres Bauvorhabens. Tragen Sie in der Zeile des Projekts den geplanten Baustart in die Spalte Vorgabe frühester Start ein.

2. Positionen aus dem Leistungsverzeichnis als Vorgänge übernehmen

Legen Sie über das Plus-Symbol in der Symbolleiste für jede Position des LV einen Vorgang an. Benennen Sie die Vorgänge nach Gewerk oder Bauabschnitt, etwa »Erdarbeiten«, »Fundamente«, »Mauerwerk KG«. Untervorgänge fügen Sie mit Einfügen > Kind ein.

3. Soll-Stunden als Arbeit eintragen

Übernehmen Sie die Soll-Stunden aus der Angebotskalkulation in die Spalte Vorgabe Arbeit. Für die Erdarbeiten sind das 96 Stunden, bei 8 Stunden pro Tag also 12 Tage. Verfahren Sie mit allen anderen Vorgängen genauso.

4. Arbeitskräfte als Ressourcen anlegen

Wechseln Sie in die Ansicht Ressourcen und legen Sie mit dem Plus-Symbol die Arbeitskräfte an, im Beispiel »Bauarbeiter 1«, »Bauarbeiter 2« und »Bauarbeiter 3«.

5. Ressourcen den Vorgängen zuweisen

Ziehen Sie die Ressourcen per Drag & Drop auf den Vorgang; alternativ weisen Sie sie über das Kontextmenü oder das Ressourcen-Popup zu. Damit übernehmen diese Ressourcen planerisch die Arbeit am Vorgang.

6. Dauer prüfen

Weisen Sie einem Vorgang mehrere Ressourcen zu, verteilt Merlin Project die Arbeit auf alle, und die Dauer verkürzt sich. Für die Erdarbeiten gilt: 96 Stunden ÷ 8 Stunden pro Tag = 12 Tage Arbeit, verteilt auf 3 Arbeitskräfte = 4 Tage Dauer.

7. Stundensätze hinterlegen

Tragen Sie in der Ansicht Ressourcen für jede Arbeitskraft den Standardsatz ein, im Beispiel 70 Euro pro Stunde. Merlin Project berechnet daraus die Arbeitskosten jeder Zuweisung.

8. Kosten gegen die Kalkulation prüfen

Öffnen Sie die Ansicht Kostenplanung und vergleichen Sie die Spalte Geplante Kosten mit Ihrer Kalkulation. Für die Erdarbeiten zeigt Merlin Project 6.720 Euro. Gegenprobe: kalkulierte Nettoleistung 6.720 Euro ÷ 96 Soll-Stunden = 70 Euro pro Stunde.

9. Vorgänge verknüpfen und Parallelarbeit prüfen

Verknüpfen Sie Vorgänge und Gruppen, um die Reihenfolge der Gewerke abzubilden. Für einen linearen Ablauf nutzen Sie die Abhängigkeit Ende zu Anfang: Die Fundamente beginnen, wenn die Erdarbeiten fertig sind. Prüfen Sie anschließend, welche Abschnitte parallel laufen können, und passen Sie dafür bei Bedarf die Kolonnenstärke an.

10. Gewerke gruppieren und den Plan lesbar machen

Fassen Sie zusammengehörige Vorgänge in Gruppen zusammen, etwa alle Positionen des Rohbaus. Unter Darstellungsoptionen > Balken hinterlegt die Option Gruppenbegrenzung aufgeklappte Gruppen farbig im Gantt-Diagramm, so erkennen Sie jedes Gewerk auf einen Blick.

Das Beispiel aus dieser Anleitung können Sie als Beispielprojekt Bauvorhaben herunterladen und in Merlin Project öffnen.

Wie verbindlich ist ein Bauzeitenplan?

Ein Bauzeitenplan ist rechtlich nur so verbindlich, wie der Bauvertrag es festlegt. Kein Gesetz verpflichtet dazu, einen Bauzeitenplan zu erstellen. Häufig vereinbaren Bauherr und Auftragnehmer ihn jedoch als Bestandteil des Bauvertrags.

Gilt die VOB/B für den Vertrag, regelt § 5 Abs. 1 VOB/B die Ausführungsfristen: Die Ausführung ist nach den verbindlichen Fristen (Vertragsfristen) zu beginnen, angemessen zu fördern und zu vollenden. In einem Bauzeitenplan enthaltene Einzelfristen gelten nur dann als Vertragsfristen, wenn dies im Vertrag ausdrücklich vereinbart ist. Ohne diese Vereinbarung sind seine Zwischentermine keine Vertragsfristen, und der Bauzeitenplan dient der Bauleitung als Steuerungsinstrument.

Bauzeitenplan in Excel oder mit Software?

Eine Tabelle reicht, solange sich nichts verschiebt. Sobald ein Gewerk später kommt, rechnen Sie in Excel jeden Folgetermin von Hand nach, denn die Zellen kennen keine Abhängigkeiten. Eine Bauzeitenplan-Software wie Merlin Project verschiebt alle Nachfolger automatisch, verbindet die Termine mit Ressourcen und Kosten und zeigt den kritischen Pfad. Den ausführlichen Vergleich lesen Sie in Merlin Project oder Excel.

Gibt es eine Vorlage für den Bauzeitenplan?

Ja. Die Bauzeitenplan-Vorlage für Merlin Project bildet den Start eines Bauvorhabens nach deutschem Ablauf ab, mit Leistungsphasen und Genehmigungsverfahren. Sie laden die Vorlage kostenlos herunter und ergänzen Ihre Gewerke. Weitere Vorlagen für Architektur und Bau finden Sie im Vorlagenbereich.

Wie Bauzeitenplan, HOAI-Leistungsphasen und Honorarsteuerung im Architekturbüro zusammenspielen, zeigt der Leitfaden Projektmanagement in der Architektur. Ein Praxisbeispiel mit rund 1.500 Vorgängen in einer Datei liefert das Erfahrungsbericht von Amann Architektur.


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Häufige Fragen

Was ist ein Bauzeitenplan?

Ein Bauzeitenplan ist ein Terminplan, der Beginn, Dauer und Ende aller Gewerke eines Bauvorhabens auf einer Zeitachse zeigt. Er koordiniert die Gewerke, damit ihre Arbeiten ohne lange Pausen ineinandergreifen.

Wie berechnet man die Dauer im Bauzeitenplan?

Teilen Sie die Soll-Stunden aus der Kalkulation durch die tägliche Arbeitszeit und anschließend durch die Zahl der Arbeitskräfte. Beispiel: 96 Stunden ÷ 8 Stunden pro Tag = 12 Tage Arbeit, verteilt auf 3 Arbeitskräfte = 4 Tage Dauer.

Was ist der Unterschied zwischen Bauzeitenplan und Bauablaufplan?

Der Bauzeitenplan zeigt, wann welches Gewerk arbeitet. Der Bauablaufplan betont die Reihenfolge und die Abhängigkeiten der Arbeitsschritte. Im Baustellenalltag werden beide Begriffe oft synonym verwendet.

Ist ein Bauzeitenplan verbindlich?

Nur wenn der Bauvertrag es vorsieht. Nach § 5 Abs. 1 VOB/B gelten Einzelfristen aus einem Bauzeitenplan nur dann als Vertragsfristen, wenn dies im Vertrag ausdrücklich vereinbart ist.

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